Alternaria – Schimmelpilz und sommerliche Allergenschleuder

12. Juli 2014

Bei Allergiebeschwerden im Sommer assoziieren die meisten Betroffenen Pollen und ihre Allergene als Ursache. Allerdings gibt es noch weitere Allergenquellen im Juli und August: Sporen des saisonal vorkommenden Schimmelpilzes Alternaria. Sie wachsen auf verrottenden Pflanzenteilen und fliegen ebenso wie Pollen viele Kilometer weit. Hohe Sporenkonzentrationen können auch nach Gewittern und bei feuchtem Wetter auftreten. Nicht selten sind diese Allergene auch Auslöser asthmatischer Beschwerden mit Atemnot, pfeifenden Atemgeräusche und Husten.

Alternaria-Sporenflug 7-2014

Beginnende sommerliche Alternaria-Belastungen im Raum Brandenburg, Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (Abb. aus http://www.pollenflug-nord.de)

Asthmaepidemien durch Alternaria?
Schon lange ist Alternaria als Allergen bekannt. In England wurden Asthmaepidemien nach Gewitterstürmen beobachtet, die mit hohen Schimmelpilzbelastungen in der Luft assoziiert waren (J Allergy Clin Immunol. 2007 Sep;120(3):610-7). Das schwüle Klima in den USA begünstigt ebenfalls das Wachstum und die Verbreitung von Alternaria-Sporen nicht nur zur warmen Jahreszeit.

In unseren Breiten sind die Pollen die häufigeren Auslöser für sommerliche Beschwerden. Eine Minderheit von ca. 10 Prozent der saisonalen Allergiker reagiert durchaus auch auf Alternaria. Manche Betroffene registrieren die Symptome mit Niesanfällen, laufender oder verstopfter Nase und Atembeschwerden auch bei feuchtem Wetter. Besonders wechselhaftes Wetter mit heißen Temperaturen und Regengüssen treibt die Sporenkonzentrationen in die Höhe.

 

Das Majorallergen von Alternaria alternata, Alt a 1, besitzt offenbar eine einzigartige Struktur (Abb. li.: “Schmetterlingsform” des Doppel-Proteins, re.: “Gummiband-Darstellung” von Alt a 1). Sie ist charakteristisch für Schimmelpilz-Proteine und nur dort zu finden (J Allergy Clin Immunol. 2012 Jul;130(1):241-247).

Alternaria gehört heutzutage zum Standardtestprogramm bei sommerlichen allergischen Symptomen. Eine wissenschaftliche Studie mit Alternaria-senisibilisierten Kindern (J Allergy Clin Immunol. 2011 Feb;127(2):502-508.e1-6) bestätigt, dass auch diese Allergieform sich erfolgreich mit einer klassischen, spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durch regelmäßige Injektionen eines Alternaria-Allergenextraktes erfolgreich behandeln lässt.


Bewerbungen sind noch möglich!

8. Juli 2014

Die Einreichungsfrist für die in diesem Jahr von der DGAKI verliehenen Preise endet am 15. Juli 2014.

Auf dem 9. Deutschen Allergie-Kongress in Wiesbaden werden im Oktober folgende Preise verliehen:

Clemens von Pirquet-Stipendium

Das Clemens-von-Pirquet-Stipendium der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie wird jährlich für die beste Dissertation verliehen. Für eine Prämierung kommen vorwiegend Dissertationen in Frage, die sich mit diagnostischen und therapeutischen Fragestellungen sowie der Grundlagenforschung auf den Gebieten der Allergologie und klinischen Immunologie sowie verwandter Gebiete befassen.

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DGAKI-Förderpreis Spezifische Immuntherapie

Der Förderpreis „Spezifische Immuntherapie“ der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), gestiftet von Bencard Allergie GmbH, München, wird jährlich für herausragende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Allergologie und klinischen Immunologie verliehen. Er dient der Förderung jüngerer Wissenschaftler.

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DGAKI- Nachwuchsförderpreis

Der Nachwuchs-Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), gestiftet von Siemens Healthcare Diagnostics GmbH, Eschborn, wird jährlich für herausragende Originalarbeiten verliehen.

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Aktuelle Wetterlage begünstigt Gräserpollenbelastung

20. Mai 2014

10 Fakten zur Gräserpollen-Allergie

IMG_0499 (Foto: J. Kleine-Tebbe, Berlin, 20.05.2014)

  1. Gräser blühen in Mitteleuropa von (Mitte) Mai bis August mit Maximum im Juni/Juli, 2014 je nach Region allerdings deutlich früher; eine verlässliche Pollenflug-Vorhersage funktioniert bestenfalls für wenige Tage.
  2. Gräserpollen transportieren eine Reihe von Proteinen (Eiweißstoffe); einige wurden als wichtige Allergene identifiziert (z.B. in Pollen vom Lieschgras Phleum pratense; detaillierte Information unter www.allergome.org)
  3. Bei erhöhter Allergiebereitschaft (Atopie) bildet das Immunsystem gegen diese Fremdproteine Antikörper der Klasse E (Immunglobulin E, kurz IgE), das anschließend fest auf Mastzellen im Gewebe und in der Schleimhaut haftet
  4. Bei erneutem Allergenkontakt provozieren eine Reihe von Botenstoffen (z.B. Histamin) aus Mastzellen und anderen Immunzellen eine allergische Entzündung und Symptome wie Augenjucken, Niesen, Naselaufen, verstopfte Nase, ggfs. Husten, erschwerte Atmung und Auswurf (Asthmasymptome)
  5. Wegen erheblicher Allergenmengen im Frühsommer sind die Gräserpollen neben den Baumpollen die häufigste Quelle für allergische Beschwerden (im Volksmund “Heuschnupfen”) in der warmen Jahreszeit
    …und nicht etwa die „weißen Flusen“, eigentlich Flugsamen von Bäumen, die zur gleichen Zeit bei klarem Wetter unterwegs sind
  6. Bei Beginn der Pollensaison leiden die Betroffenen häufig mehr als durch später auftretende, höhere Allergenbelastungen  – wahrscheinlich das Ergebnis „natürlicher Toleranzentwicklung“, ein Gewöhnungseffekt des Immunsystems
  7. Die verantwortlichen Hauptallergene (z.B. Majorallergene der Gruppe 1 u. Gruppe 5) zeigen bei allen Süßgräsern eine ähnliche Struktur, sodass das IgE-Repertoire des Gräserpollen-Allergikers sie kaum unterscheiden kann: Es besteht daher ausgeprägte Kreuzallergie zwischen sämtlichen Gräserpollen-Allergenen. Fazit: Wer auf ein Gras eine Allergiebereitschaft (=Sensibilisierung) entwickelt, wird auf sämtliche Gräser reagieren
  8. Die Diagnose beruht auf einer typischen Vorgeschichte (Anamnese) und positiven Ergebnissen in sogenannten Sensibilisierungstests (Prickhauttest oder spezifischer IgE-Test gegen Gräserpollenallergene)
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Gräserpollen-Saison lindern und wahrscheinlich Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann. Unterschiedliche Verfahren haben sich zu diesem Zweck bewährt:
    a)    „Klassische“ Immuntherapie mit regelmäßigen Injektionen während des gesamten Jahres für 3 Jahre
    b)    Kurzzeit-Behandlung mit einigen Injektionen vor der Pollensaison (3 Zyklen empfehlenswert, d. h. 3 Jahre)
    c)    Sublinguale Immuntherapie mit täglicher Anwendung von Tabletten- oder Tropfenpräparaten unter der Zunge (=sublingual), entweder ganzjährig oder 4 Monate und während der Pollensaison für 3 Jahre

Berlin, 20.05.2014

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EAACI Food Allergy and Anaphylaxis Campaign

10. April 2014

7 – 14 April 2014

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Bild Stop AnaphylaxisMehr als 17 Millionen Menschen in Europa leiden an Lebensmittelallergien und jedes vierte Schulkind in Europa lebt mit einer allergischen Erkrankung. Auch die Anzahl schwerer und potenziell lebensgefährlicher allergischer Reaktionen (Anaphylaxien) aufgrund von Lebensmittelallergien bei Kindern steigt kontinuierlich an. Aufgrund dieser besorgniserregenden, statistischen Daten hat die European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) im Juni 2012 ihre Stop Anaphylaxis! Food Allergy Campaign ins Leben gerufen.
Der breiten Öffentlichkeit und auch der Politik sollen der sprunghafte Anstieg anaphylaktischer Reaktionen, besonders bei Kindern, ins Bewusstsein gerufen werden. Darüber hinaus sollen die Auslöser und Anzeichen einer anaphylaktischen Reaktion bekannter gemacht werden, ebenso wie die besten Erste-Hilfe-Maßnahmen, sollte der Notfall eintreten.

 

Die EAACI hat eine Deklaration erarbeitet, die die Entscheidungsträger der EU, die im Gesundheitswesen Tätigen und die Öffentlichkeit dazu aufrufen konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um den Umgang mit und die Behandlung von Lebensmittelallergien und Anaphylaxien zu verbessern.

Food Allergy & Anaphylaxis Public Declaration Combined

Flyer StopAnaphylaxisDE