„Alternaria, der Gewitterpilz“ – hochsommerliche Allergenschleuder mit starkem Sporenflug 2020

23. Juli 2020

Bei Allergiebeschwerden im Hochsommer assoziieren die meisten Betroffenen Pollen, z.B. vom Beifuß als Ursache. Dabei gibt es noch weitere Allergenquellen im Juli und August: Sporen des saisonal vorkommenden Schimmelpilzes Alternaria. Sie wachsen auf verrottenden Pflanzenteilen und fliegen wie Pollen viele Kilometer weit. Hohe Sporenkonzentrationen können auch nach Gewittern und bei feuchtem Wetter auftreten. Nicht selten sind diese Allergene auch Auslöser asthmatischer Beschwerden mit Atemnot, pfeifenden Atemgeräusche und Husten.

Alternaria-Belastung 2020 in verschiedenen Regionen Deutschlands (Abb. aus http://www.pollenflug-nord.de)

Asthmaepidemien durch Alternaria?
Schon lange ist Alternaria als Allergen bekannt. In England wurden Asthmaepidemien nach Gewitterstürmen beobachtet, die mit hohen Schimmelpilzbelastungen in der Luft assoziiert waren (J Allergy Clin Immunol. 2007 Sep;120(3):610-7). Das schwüle Klima in den USA begünstigt ebenfalls das Wachstum und die Verbreitung von Alternaria-Sporen nicht nur zur warmen Jahreszeit. Schimmelpilzsporen in der Außenluft wurden auch in Montreal mit vermehrten Klinikeinweisungen von asthmatischen Kindern assoziiert (J Allergy Clin Immunol. 2017 Apr;139(4):1140-1147). 

In unseren Breiten sind die Pollen die häufigeren Auslöser für sommerliche Beschwerden. Eine Minderheit von ca. 10 Prozent der saisonalen Allergiker reagiert auch auf Alternaria. Manche Betroffene registrieren die Symptome mit Niesanfällen, laufender oder verstopfter Nase und Atembeschwerden auch bei feuchtem Wetter. Besonders wechselhaftes Wetter mit heißen Temperaturen und Regengüssen treibt die Sporenkonzentrationen in die Höhe.

Das Majorallergen von Alternaria alternata, Alt a 1, besitzt offenbar eine einzigartige Struktur (Abb. oben: „Schmetterlingsform“ des Doppel-Proteins, Abb. unten: „Gummiband-Darstellung“ von Alt a 1). Sie ist charakteristisch für Schimmelpilz-Proteine und nur dort zu finden (J Allergy Clin Immunol. 2012 Jul;130(1):241-247). Daneben wurden viele andere Alternaria-Allergene bereits identifiziert und das Genom beschrieben.

Alternaria gehört heutzutage zum Standardtestprogramm bei sommerlichen allergischen Symptomen. Eine wissenschaftliche Studie mit Alternaria-senisibilisierten Kindern (J Allergy Clin Immunol. 2011 Feb;127(2):502-508.e1-6) hat bestätigt, dass auch diese Allergieform sich mit einer klassischen, spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durch regelmäßige Injektionen eines Alternaria-Allergenextraktes behandeln lässt – wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg (Curr Opin Allergy Clin Immunol 2019;19(6):646-653). Lassen Sie sich von Ihrem Allergologen beraten.

Gegen die Symptome durch Alternaria-Allergene helfen handelsübliche Anti-Allergika: Kortison-Nasensprays, bei leichten Beschwerden nicht-sedierende Antihistaminika, niedrigdosierte lokal wirksame Kortisonpräparate zum Inhalieren bei Atempromblemen (z.B. Husten, Schweratmigkeit, pfeifenden Atemgeräuschen) und bronchialerweiternde Bedarfsmedikamente.

Allergologisch erfahrene Kollegen kennen Alternaria als potentielle Allergenquelle. Weitere Spezial-Informationen erhalten Sie über die Pressestelle der DGAKI.

Berlin, 23.07.2020


HIER zur Umfrage zu COVID-19 und AIT

9. Juli 2020

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege, liebe AIT-Spezialisten,

die im März 2020 von der WHO ausgerufene und immer noch bestehende COVID-19-Pandemie hat – wie in vielen Bereichen der Medizin – auch bei der Anwendung der AIT zu Unsicherheit geführt. Frühzeitig mit Beginn des Lockdowns in Deutschland hat die DGAKI bereits am 23. März 2020 reagiert und Empfehlungen zur AIT publiziert.

Nun möchten wir mit dieser Umfrage – in Kooperation mit der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) – erfahren, welche Auswirkungen die Pandemie auf die AIT in der Routineversorgung gehabt hat oder noch hat. 

Wir sind Ihnen sehr dankbar für diese wichtigen Informationen, die für die künftige Einschätzung der Sicherheit und Praxistauglichkeit der AIT von hoher Relevanz sind und Eingang finden werden in zukünftige Empfehlungen und Leitlinien. 

Selbstverständlich sind alle datenschutzrelevanten Aspekte bei dieser Umfrage berücksichtigt. Die Beantwortung der Fragen wird ungefähr fünf Minuten Ihrer Zeit in Anspruch nehmen.

Mit diesem Link gelangen Sie zur Umfrage:

https://www.survio.com/survey/d/Z9C2A1E7K8Z5A0A3R

Mit herzlichem Dank im Voraus

Oliver Pfaar, Eckard Hamelmann, Christian Taube, Martin Wagenmann, Thomas Werfel und Margitta Worm


Allergologie KOMPAKT am 28./29.08.2020 ONLINE aus BERLIN

1. Juli 2020
Programm u. Anmeldung: Klicken Sie direkt auf die Collage

Aktuelles Interview mit DGAKI-Präsidentin Prof. Margitta Worm

26. März 2020

Fragen zum

Coronavirus:

Sind Allergiker

gefährdet?

Ein erhöhtes Risiko für COVID-19 zeigen Menschen bei gewissen Vorerkrankungen. Ob Allergien dazu zählen, ob Allergie-Medikamente das Risiko einer Coronavirus-Infektion erhöhen und wie man Allergiesymptome von einer solchen Infektion unterscheiden kann, darüber sprach Journalistin Sabine Jossé (MeinAllergiePortal) mit Prof. Dr. Margitta Worm, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Kernbotschaften:

  • Allergien sind bisher kein Risiko für Coronavirus-Infektion
  • normale Körpertemperatur ohne Fieber, anfallsartiger Niesreiz, Fließschnupfen, Augenjucken u. ähnliche Beschwerden im Vorjahr zur gleichen Zeit sprechen für Allergie
  • Antiallergische Medikamente (Kortison-Nasensprays, Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays) sind wichtig für Betroffene und überwiegend rezeptfrei erhältlich (also kein Arztbesuch erforderlich)
  • Allergen-Immuntherapie u. Biologika-Behandlung (Anti-IgE, Anti-IL-4/IL-13-Rezeptor und Anti-IL-5 bzw. Anti-IL-5-Rezeptor) sind fortzusetzen

Lesen Sie das gesamte Interview zu wichtigen Fragen bei Allergien u. COVID-19 (PDF, 100 kb zum Download):

Coronavirus COVID-19 u. Allergien – DGAKI-Interview mit Prof. M_Worm durch S_Josse 26.03.2020.pdf

Der Webmaster, Berlin 26.03.2020